“Wo man singt, da laß dich nieder. Böse menschen haben keine Lieder.”

 

Ja, Lieder und das Singen haben einen großen Einfluß auf das menschliche Gemüt. Sie können die Altagssorgen und Kummer verteiben oder auch Erinnerungen an die ”guten alten Zeiten” wachrufen. So kam es, daß sich Frau Schwär, die nicht weit vom St. Johannis wohnte, sofort, als das Heim öffnete, begeistert für die neuen deutschen Einwohner einsetzte mit ihrer Sangesfreude und dem Bestreben die Senioren aufzuheitern. Sie begleitete sie auf gemeinsamen Ausfahrten und sang mit ihnen Volkslieder. Sie stellte einen Chor zusammen und führte das Volksliedersingen im Heim ein. Bei den Geburtstagsfeiern für alle Einwohner, die in dem Monat Geburtstag hatten, durften sie sich ein Lied aussuchen, das gemeinsam gesungen wurde. Dazu schaffte sie sich eine Gitarre an, um Lieder zu begleiten. Aus dieser Initiative enstand allmählich eine kleine “Hauskapelle”. Zuerst kam Frau Kempski aus Hout Bay als Klavierbegleiterin, dann folgten Herr Kappelhoff mit seiner Geige, Frau Blaich mit Schifferklavier, Dr Wittenberg und Frau Kliem auch mit Geigen. Zeitweilig kam auch Herr Grimm aus Kapstadt mit seinem Cello sowie ein Banjo dazu. Herr Kovats schloss sich später mit seiner Baßgeige an.

Es verstarben Frau Kemski und Dr Wittenberg und das Banjo sowie das Cello fielen aus. Frau Schwär hatte ein Unglück, das ihr das Gitarrenspielen, Singen und Flöten zerstörte. So waren wir froh, als Ehepaar Sachse die Leitung der Geburtstagsfeiern übernahm. Es stellten sich auch neue Musikanten ein: Werner Block und Frau Stellbrink mit ihrer Mundharmonikas; aus Bellville Herr Kühhirt mit seiner Gitarre und kräftiger Singstimme und später gesellten sich Frau Buchmüller mit Querflöte und Herr Baard als Klavierspieler zu uns.

Herr Sachse war ein grosser Gewinn für das Musikleben im St. Johannis. Er war Organist und Chorleiter der St. Martini Gemeinde in Kapstadt gewesen und übernahm die Klavierbegleitungen nach Frau Kemskis Tod. Vor allen Dingen erbarmte er sich über unsere verschiedenen Volksliederbücher, die am Zerfleddern waren und stellte selbst ein Buch zusammen mit Großdruck für alte Augen! Ebenso gab er ein Weihnachtsliederbuch heraus. Er übernahm auch den kleinen Chor, den Frau Schwär zusammengestellt hatte, mit fachkundigem Wissen und wir konnten in so manchen Gottesdiensten im St. Johannis auftreten. Wir Musikanten waren alle “verwaist”, als er so plötzlich an einem Herzversagen verstarb.

Nun schläft die musikalische Tätigkeit wegen COVID Gefahr einen Dornröschenschlaf! Aber wir wollen wieder weitermachen mit Klavier, Mundharmonika, Schifferklavier und Querflöte und die Einwohner aufmuntern mit dem gemeinsamen Singen.

Viel Freude kann ich auch mit meiner Panflöte verbreiten, die mir Herr Schiemann in Stellenbosch “baute”. Sie hat einen warmen, beruhigenden Klang. Und weil wir keine Gottesdienste haben dürfen, ist es schön, sonntagsfrüh die Morgenlieder und Choräle erklingen zu lassen als Erinnerung, daß es Sonntag ist, der “Tag des Herrn”. Dazu wandere ich flötend im Gelände und um das Heim herum.

So hoffe ich, daß hier im St. Johannis Lifestyle Estate die Musik weiterlebt, denn Miguel Cervantes sagte: “Mit Gesang kann man all seine Krankheiten verscheuchen.”

Irmela Blaich

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